Naturschutz und Probleme des Kletterns

Alle Begeisterung fuer den Klettersport sollte auch einen Blick lassen fuer die Probleme, die dadurch entstehen:

Fuer mich liegt beim Klettern die Betonung nicht ausschliesslich auf 'Sport', sondern auch zu einem wesentlichen Teil auf der Natur. (Wollten wir reinen Leistungssport betreiben, koennten wir uns auf die Kletterhalle beschraenken.) Damit muss es gerade fuer Kletterer dazugehoeren, sich fuer die Natur an
sich und die naehere Umgebung der Felsen im speziellen einzusetzen, um uns die Grundlage des Kletterns (und des Lebens ueberhaupt) zu erhalten. Das man seinen Muell nicht im Wald 'entsorgt' und keine gesperrten Waldwege befaehrt, auch wenn's mal weiter als 50m zum Einstieg sind, sollte selbstverstaendlich sein. Durch die immer groessere Menge von Kletterern, stellen sich aber auch, vor allem Seerose an den beliebtesten und bekanntesten Kletterzielen, wie z.B. dem Hochstein, verstaerkt Schaeden an der Vegetation, verdichtete und kahle Boeden am Fuss der beliebtesten Waende ein. Wir sollten uns im Umfeld der Felsen so verhalten, dass wir den Behoerden auch zukuenftig die Entscheidung, von ganzjaehrigen Felssperrungen abzusehen, erleichtern und somit uns , als
auch denen, die nach uns kommen noch lange das Klettern in der Suedpfalz zu ermoeglichen.
Ich freue mich immer wieder, an den Felsen mit Kletterern aus allen Teilen Deutschlands und vom Rest der Welt ins Gespraech zu kommen, aber dessen ungeachtet sollten die Verantwortlichen in anderen, heute vielfach gesperrten Klettergebieten ueberlegen, ob man nicht mit allen Beteiligten zusammen eine fuer alle Seiten akzeptable und ertraegliche Loesung, ein Nebeneinander von Kletterern und Natur, finden koennte. Dies wuerde nicht zuletzt auch zu einer Entspannung der Situation in der Pfalz beitragen. (Diese Anmerkung soll aber keinem unserer kletternden Gaeste den Spass am Sandstein nehmen.)

Wanderfalke Ein Beispiel der guten Zusammenarbeit von Behoerden, Naturschutzverbaenden und Kletterern (hier vor allem vertreten durch die Vereinigung der Pfaelzer Kletterer (PK)) ist die heutige Regelung mit zeitweisen Felssperrungen der Brutfelsen von Wanderfalken. Dieses akzeptable Mass an Beschraenkungen sollte jeder beachten und mittragen.
Infos ueber die aktuell gesperrten Felsen (in der Regel zwischen dem 1. Februar und dem 1. August) geben die Schaukaesten an der Asselstein-Kletterhuette und am Baerenbrunnerhof, sowie die Homepage der PK .

'Beliebtes' Streithema zwischen zwei 'Lagern': Die Verwendung von Magnesia. Eine DAV-Studie stellte ,im Gegensatz zum Kalkstein, negative Folgen fuer den Sandstein fest, und auch ein unschoenes Aussehen auf dem roten Untergrund laesst sich nicht ganz leugnen. Negativ-Erscheinung, vor allem fuer 'Nicht-Chalker', ist hauptsaechlich das Abspecken von Griffen durch alte Magnesiaspuren. So sollte Magnesia in der Pfalz zunaechst grundsaetzlich nicht verwendet werden (man denke hier auch wieder an das wachsame Auge der Behoerden), es wird aber in den oberen Schwierigkeitsgraden toleriert. (Putzen nicht vergessen!) Kein Verstaendnis habe ich allerdings fuer jene, fuer die diese 'oberen Schwierigkeitsgrade' bereits bei III oder IV beginnen, denn gerade hier sieht man immer oefter gechalkte Griffe (in Bierhenkelgroesse). Man sollte mal darueber nachdenken, dass vor der Zeit des Sportkletterns Routen bis zum sechsten Grad 'ohne' geklettert wurden! Zum Schluss ein Tip von Kletterfuehrerautor Hans-Juergen Cron: Untermischen von Saegemehl oder Sand laesst etwas weniger Chalk an den Haenden kleben - aber es reicht. magnesiaverschmierte Felskante

Noch ein Wort zum Thema Neutouren: Die Felsen der Suedpfalz sind heute in einem sehr weit fortgeschrittenen Mass erschlossen, so dass man die immer weniger werdenden noch sinnvollen Neutouren mit Bedacht auswaehlen sollte: mit genuegend Abstand zu bereits bestehenden Routen, und man sollte auch einmal zementierte Haken gegen andere Sicherungsmoeglichkeiten, wie Friends oder Keile abwaegen, fuer deren Verwendung die natuerlichen Sandsteinstrukturen oft kreative Moeglichkeiten bieten. Ausgeschlossen sein sollte auf jeden Fall 'Routentuning', wie Bohren von Fingerloechern, Kleben von Kieselsteinen, Schlagen von Griffen, etc. Irgendwo setzt eben der Fels Grenzen, und nicht jede Wand ist frei kletterbar. Punkt.
Die "Richtlinien fuer sanftes Klettern im Wasgau Felsenland" tolerieren uebrigens seit 1990 "Eine Massvolle Erschliessung von oben sowie den (ebenso massvollen) Gebrauch von Magnesia (in den oberen Schwierigkeitsgraden)".

Alles in allem sollte es also unser Anliegen sein, moeglichst wenig Spuren um die Felsen zu hinterlassen, um (durch bestmoegliche Uebereinstimmung mit Behoerden und Naturschutzverbaenden) noch lange Spass am Naturerlebnis Klettern in der Suedpfalz haben zu koennen ...




Brunnen



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© by Juergen Glaser, University of Kaiserslautern, Germany;

mailto glaser@student.uni-kl.de

creation date: August 1997
last modified: 19.10.1998