Die Geschichte des Dorfes Lug




Die historische Pfalz


Die Pfalz, eine Region im Suedwesten Deutschlands und im Herzen des neuen Europas reicht von ... im Norden bis zur franzoesischen Grenze im Sueden und von Zweibruecken im Westen bis zum Rhein.
Heute zum Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz des Landes Rheinland-Pfalz gehoerend, zaehlte die Pfalz in salischer und staufischer Zeit (11.-13. Jh.) zu den Kernlandschaften des Reiches. Von zentraler Bedeutung war hier, neben der Kaiserpfalz in Kaiserslautern, die Reichsfeste Trifels ueber Annweiler, die zwischen 1125 und 1298 immer wieder fuer mehrere Jahre die Reichsinsignien verwahrte. (Seit 1806 befinden sich selbige in der Wiener Hofburg.) Eng verwoben ist die Geschichte des Trifels mit den Namen Friedrich Barbarossa und Friedrich II., sowie mit Richard Loewenherz, der sich 1193/94 hier in Gefangenschaft befand.
Unterstrichen wird die Bedeutung der Burg Trifels durch die Naehe zu den Zentren kirchlicher Macht, Worms und dem Kaiserdom in Speyer, Grablege mehrerer deutscher Kaiser.
Die Pfalz brachte es ueber die Zeit zur stattlichen Anzahl von ueber 500 Burgen und Wehranlagen; ebensoviele gab es im benachbarten Elsass. Die Bedeutung der damaligen Zeit konnte unsere Region in der Folgezeit nie mehr erreichen.

Die ersten Siedlungsspuren in der Region gehen aber sehr viel weiter zurück. So hat man bei Wilgartswiesen Pfeilspitzen aus der Zeit um 8000 v.Chr. gefunden. Grund fuer das Vordringen waren wohl weniger die fuer die Landwirtschaft schlecht geeigneten Boeden, sondern eher die Jagd. Aus der Zeit um 2000 v.Chr. existieren im Pfaelzerwald vereinzelt auch Huegelgraeber.
In roemischer Zeit gehoerte unsere Region zur Provinz Gallia Belgica mit der Hauptstadt Durocortorum (Reims). Waehrend der im 4.-6. Jh. stattfindenden Voelkerwanderung entstand das lateinisch geschriebene Waltharilied, welches von der Flucht des Walther von Aquitanien vom Hofe des Hunnekoenigs Attila und seinem Weg durch das Burgunderreich und den Wasgau berichtet.

Die politische Existenz der Pfalz beginnt, als 1356 die ehemalige Pfalzgrafschaft am Rhein die Kurwuerde (Kurpfalz) erhaelt. 1816 entstand der bayerische Rheinkreis, spaeter Rhein-Pfalz genannt. 1946 kam die Pfalz zu Rheinland-Pfalz. In dem kurz davor zu Ende gegangenen 2. Weltkrieg, nach dessen Ende die Pfalz Teil der franzoesischen Besatzungszone war, zog sich durch unsere Grenzregion, gegenueber der franzoesischen Maginot-Linie, der Westwall mit seinen Bunker-Anlagen. 1940 und 1943/44 spielten sich deshalb hier schwerste Kaempfe ab und mehrmals musste die sogenannte "Rote Zone" in Grenznaehe von der Bevoelkerung geraeumt werden.
Immer wieder in der Geschichte gehoerte die Pfalz -ganz, oder teilweise - auch zu Frankreich, so gab es infolge des 30-jaehrigen Krieges und des pfaelzischen Erbfolgekrieges verschiedentlich Besetzungen, und auch nach der franzoesischen Revolution, in napoleonischer Zeit oder nach den beiden Weltkriegen bestimmte Frankreich fuer einige Jahre die Geschicke der Region.
Auch heute noch hat der Pfaelzerwald eine - allerdings abnehmende - militaerische Bedeutung: Als Standort der franzoesischen und amerikanischen Streitkraefte, als Waffendepot, und mit dem Flugplatz Ramstein bei Kaiserslautern befindet sich hier auch ein zentraler NATO-Stuetzpunkt.




Die Chronik des Dorfes Lug


Zum erstenmal urkundlich erwaehnt wird Lug vor ueber 950 Jahren: 1046, knapp 200 Jahre nach der Gruendung des Heiligen Roemischen Reiches Deutscher Nation, als Kaiser Heinrich III. das Dorf 'Luoch' der Domkirche zu Speyer schenkt. Gerade einmal 16 Jahre zuvor wurde erst der Grundstein zum Speyerer Dom gelegt. Entwickelt hatte sich die Ansiedlung wohl um eine Muehle, die ueber 800 Jahre lang bestand.
Lug gehoert damit zum Kloster Klingenmuenster und wird als Lehen weitergegeben. Kirchlicher und weltlicher Mittelpunkt des westlichen Klosterbesitzes und damit auch der Luger ist das vier Kilometer entfernte Gossersweiler. Zur Gossersweilerer Kirche gehoerend, existiert 1470 in Lug auch eine erste Kapelle 'im Walde'.
1490 wird das Lehen dreigeteilt: ein Teil des Dorfes geht an die Kurpfalz, ein weiterer an die Herren von Fleckenstein und der dritte, der spaeter auch zur Kurpfalz faellt, an das Haus Zweibruecken-Bitsch. 1545/46 wird Lug wohl auf Befehl des Kurfuersten zum erstenmal lutherisch, und der Ort muss in den folgenden 140 Jahren 9x die Religion wechseln, um letztlich wieder katholisch zu sein.

Die Luger Muehle
In der folgenden Zeit brechen immer wieder Hunger, Armut, Not, Kriege und Pluenderungen ueber die Bevoelkerung herein: den 30jaehrigen Krieg (1618-1648) ueberlebt nur 1/4 der Luger, im Pfaelzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und im Spanischen Erbfolgekrieg (1702-1724) wird der Ort jedesmal zerstoert. Ueber diese Jahre wechselte mit den Religionen auch staendig die Herrschaft: deutsche, franzoesische, spanische, schwedische und hollaendische Truppen toben sich auf pfaelzischem Boden aus. Anfang des 18. Jahrhunderts ist Deutschland in unzaehlige kleine Nationalstaaten zersplittert, und alleine die Pfalz zaehlt ueber 40 Herrschaften.
1730 wird erstmals ein Luger Lehrer - die damals noch eine Institution waren - erwaehnt, 1753 entsteht die 4. Luger Kirche, die bis 1957 in der Ortsmitte steht, und 10 Jahre spaeter bauen die Luger das erste Schulhaus. Bis 1785 muessen ausserdem die Toten, sowie die Taeuflinge nach Gossersweiler zur Kirche gebracht werden.
Nach der franzoesischen Revolution wird Lug mit dem gesamten linksrheinischen Gebiet wiederum bis 1814 franzoesisch.
Anfang des 18.Jh. gelangt das Dorf politisch und spaeter auch kirchlich zum Nachbarort Schwanheim. In dieser Zeit zaehlt der Ort zu den aermsten Gemeinden der Pfalz: Der sandige Boden bringt keine hohen Ertraege und Nebenbeschaeftigungen, wie Sammeln von Fruechten und Beeren, Besenbinderei, Korbflechten, Schnitzen von Kuechengeraeten, Steinhauerei, Messerschleiferei und Schaustellerei sind lebenswichtig fuer die Luger. Aus dieser Zeit stammt auch die Erzaehlung von den Luger Sternsingern, die u.a. August Becker aufschrieb.
1816 wird Lug mit der gesamten Pfalz bayerisch. Die politischen Unruhen der buergerlichen Revolution 1848/49 erfassen auch den Wasgau und Lug, werden aber mit dem Einmarsch der preussischen Truppen rasch beendet, und auch vom deutsch-franzoesischen Krieg 1870/71, der in naechster Naehe tobt, bleibt Lug nur wenig beruehrt.
Bis zum ersten Weltkrieg (1914/18) machen Lug und seine Umgebung einige Fortschritte: 1886 wird mit der ersten Hauensteiner Schuhfabrik der Grundstein fuer die bedeutende Schuhindustrie gelegt, 1901 wird Lug mit einem eigenen Buergermeister selbstaendig und 1911 gruendet sich mit dem Turnverein der heute aelteste luger Verein. Nach den Entbehrungen im und nach dem ersten Weltkrieg, ensteht in den 20er Jahren das Stromnetz im Ort und 1927 beginnt der Bau der heutigen 5. Luger Kirche.
Die Zeit des "Dritten Reiches" ist, wie ueberall, gepraegt von der Propaganda und den Zwaengen des nationalsozialistischen Staates, und den Einschraenkungen der Kriegsjahre. Trotz allem blieb es in Lug die meisten Kriegsjahre ueber ruhig, Schutz findet die Bevoelkerung im Stollen am Friedhof. 39 Luger Maenner aber kehren aus dem Krieg nicht zurueck.
Nach dem Krieg geht es mit der Schuhindustrie aufwaerts: 1946 wird der Schulunterricht wieder aufgenommen, 1953 der Sportverein gegruendet, im gleichen Jahr beginnt der Bau der Wasserleitung, und 1958 arbeiten in den Hauensteiner Schufabriken ueber 3000 Beschaeftigte. 1961 nimmt die heute noch produzierende luger Schuhfabrik 'Lugina' ihren Betrieb auf. 1969 kommt Lug von Landkreis Bad Bergzabern zum Kreis Pirmasens, der heute Suedwestpfalz heisst. 1972 schliessen sich Lug und sieben andere Orte zur Verbandsgemeinde Hauenstein zusammen. Im gleichen Jahr gruendet sich die Ortsgruppe des Pfaelzerwaldvereins, zehn Jahre spaeter der Gemischte Chor, und seit 1975 besuchen die Luger Kinder die Grundschule in Hauenstein. 1982 werden Klaeranlage und Kanalisation in Betrieb genommen.
1996 schließlich feiern die 630 Luger mit einem grossen Dorffest den 950. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwaehnung ihres Dorfes ...



Feder

Literaturhinweise




Quellen: Der Pfaelzerwald - Portrait einer Landschaft, Das Wasgaudorf Lug (Ortschronik von Guenther Steigner, zu beziehen ueber die Gemeindeverwaltung)


Bei Interesse an der Ortschronik,
Fragen, auch zur 950-jaehrigen Luger Geschichte,
und Anregungen, schicken Sie mir eine e-mail
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Geschichtslinks



© by Juergen Glaser, University of Kaiserslautern, Germany;

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creation date: August 1997
last modified: 19.10.1998