Januar 2000 - ein durchmischter Monat




Vom Januar gibt es eigentlich nichts spektakuläres zu berichten - na ja, ein paar Kleinigkeiten schon.

Angefangen hat es ganz turbulent, damit, dass ich beimRückflug vom Pfalzurlaub über Weihnachten und Silvester den Wohnungsschlüssel in Lug vergessen hatte. Das ist ein ganz besonders gutes Gefühl, im Flieger zu sitzen und zu wissen, dass am Ende eine verschlossene Tür auf dich wartet. Gott sei Dank, hatte ich einen Zweitschlüssel für mein Auto bei mir, so dass ich an meinen Schlafsack kam und bei jemandem im Zimmer übernachten konnte. UPS hat schliesslich auch bald meinen Schlüsselbund gebracht.

Im Labor sind wir langsam so weit, dass die Messungen nicht mehr weit scheinen: Die verschiedenen Mechanismen zur Steuerung unserer Messonden sind mittlerweile zum Grossteil eingebaut und müssen jetzt ausgerichtet werden. Ich hoffe, dass bis zum Ende der Woche auch die automatische Steuerung mittels PC funktionieren wird, so dass das System jeweils für eine Schicht die Messungen selbständig durchführt und dazwischen jeweils die Sonde verschiebt. Das Anemometer läuft mittlerweile auch, was uns zu Stammkunden in der Elektronikwerkstatt gemacht hat, aber Hauptsache, es blinkt nicht mehr wie wild.
Ich hoffe also, dass es in der zweiten Februarwoche richtig losgehen kann. Unterdessen versuche ich kontinierlich ein paar französische Seiten für meinen Bericht zu Papier zu bringen.

Vor zwei Wochen war ich mit Freunden in Clermont Ferrand, also mitten in Frankreich, wo Michelin seine 'siège sociale' hat und wir einen Engländer besuchten, der bis Weihnachten hier in Toulouse war. Die Vulkanberge der Auvergne, südlich der Stadt sind wirklich jedem zu empfehlen, der einmal in die Gegend kommt - in den bis über 1800m hohen Bergen liegt momentan Schnee und man kann Ski fahren, aber auch die Bilder aus anderen Jahreszeiten sehen sehr einladend aus.

Leider hat mich der Schnee in der folgenden Woche mit einer hübschen Grippe lahmgelegt, so dass ich schliesslich zum Arzt musste. Man muss hier den Arzt zunächst direkt bezahlen - da kommt man nicht drumherum - und auch die Medikamente in der Apotheke. Danach - wenn man wieder aus dem Bett kann :-) - geht man mit seiner Rechnung zur Caisse Primaire. Als 'allemand' braucht man noch seinen Formularvordruck E111 und dann überweisen sie den Grossteil der Kosten zurück - hoffe ich zumindest. Insgesamt muss ich sagen, dass mir hier im Bett ohne Motivation ziemlich die Lust vergangen ist - aber sie kam zurück :-) Mit den letzten hartnäckigen Resten der Erkältung kämpfe ich noch, aber wir wollen da keine Zweifel lassen, wer gewinnen wird.

Eine Bäckerei mit ein paar Brotsorten, die nicht Baguette oder Flute heissen, habe ich mittlerweile auch entdeckt, denn manchmal hat man einfach keine Lust, jeden Tag in die Stadt zur Bäckerei oder zum Supermarché zu laufen, aber dieses Weissbrot ist ja nach 24 Stunden zu vielem geeignet, aber nicht mehr zum Essen. Am Freitag Abend gab es in der Stadt eine Fest-Messe zum Tag des Heiligen Thomas von Aquin, der hier in der Jakobinerkirche begraben liegt. Ich hatte mal wieder Lust, in die Kirche zu gehen, und es war eine ziemlich eindrucksvolle Sache mit Chor, Bischof, vielen Lichtern und einer - so weit ich sie verstanden habe - ziemlich interessanten Predigt von einem Dominiknerpater, der mir ziemlich gewitzt schien. Leider war es 1 3/4 Stunden lang auch ziemlich kalt in der grossen Kirche.

Heute schliesslich war ich in Carcassonne, ca. 80 km südlich von Toulouse, 43.000 Einwohner. Um es gleich vorwegzunehmen: das eigentliche Stadtzentrum - la ville basse - ist nicht sonderlich interessant.
Was aber auf jeden Fall einen Abstecher lohnt ist das UNESCO Weltkulturerbe der 'cité'. Die cité ist eine alte Burgstadt auf einem Hügel südwestlich der ville basse, die von zwei hohen, dicken Mauern umgeben ist, die zusammen von 38 Türmen und einem Wehrgang, der die ganze Stadtmauer umzieht, geschützt sind. Innerhalb dieser Mauern gibt es z.B. ein Schloss aus dem 12. Jh. und eine Kirche - romanisch-gothische Stilmischung - , die auf einen Bau aus dem 6. Jh. zurückgeht. Was aber die besondere Atmosphäre dieser aus ockerfarbenen Steinen erbauten Stadt ausmacht, ist, dass sie nach wie vor 140 Einwohnern von Leben erfüllt wird, die innerhalb der Mauern Geschäfte und Restaurants, eine Bank und eine Post betreiben.
Ausserdem ist Carcassonne und die Gegend südlich davon, bis zum Mittelmeer, das Land der Katharer, die zu Zeiten der Inquisition verfolgt wurden - man erinnere sich an 'Der Name der Rose'.

So viel für diesmal. Und falls jemand Lust hat, zu erzaehlen, was sich sonstwo auf der Welt so tut - ich freue mich immer über e-mails.







© by Jürgen Glaser, University of Kaiserslautern
Creation Date: 30.01.2000
Last modified: 01.02.2000