Die Chronik des Dorfes Lug

Die Luger Mühle

Zum erstenmal urkundlich erwaehnt wird Lug vor über 950 Jahren: 1046, knapp 200 Jahre nach der Gruendung des Heiligen Roemischen Reiches Deutscher Nation, als Kaiser Heinrich III. das Dorf 'Luoch' der Domkirche zu Speyer schenkt. Gerade einmal 16 Jahre zuvor wurde erst der Grundstein zum Speyerer Dom gelegt. Entwickelt hatte sich die Ansiedlung wohl um eine Muehle, die ueber 800 Jahre lang bestand. Lug gehoert damit zum Kloster Klingenmuenster und wird als Lehen weitergegeben. Kirchlicher und weltlicher Mittelpunkt des westlichen Klosterbesitzes und damit auch der Luger ist das vier Kilometer entfernte Gossersweiler. Zur Gossersweilerer Kirche gehoerend, existiert 1470 in Lug auch eine erste Kapelle 'im Walde'. 1490 wird das Lehen dreigeteilt: ein Teil des Dorfes geht an die Kurpfalz, ein weiterer an die Herren von Fleckenstein und der dritte, der spaeter auch zur Kurpfalz faellt, an das Haus Zweibruecken-Bitsch. 1545/46 wird Lug wohl auf Befehl des Kurfuersten zum erstenmal lutherisch, und der Ort muss in den folgenden 140 Jahren 9x die Religion wechseln, um letztlich wieder katholisch zu sein.

In der folgenden Zeit brechen immer wieder Hunger, Armut, Not, Kriege und Pluenderungen ueber die Bevoelkerung herein: den 30jaehrigen Krieg (1618-1648) ueberlebt nur 1/4 der Luger, im Pfaelzischen Erbfolgekrieg (1688-1697) und im Spanischen Erbfolgekrieg (1702-1724) wird der Ort jedesmal zerstoert. Ueber diese Jahre wechselte mit den Religionen auch staendig die Herrschaft: deutsche, franzoesische, spanische, schwedische und hollaendische Truppen toben sich auf pfaelzischem Boden aus. Anfang des 18. Jahrhunderts ist Deutschland in unzaehlige kleine Nationalstaaten zersplittert, und alleine die Pfalz zaehlt ueber 40 Herrschaften. 1730 wird erstmals ein Luger Lehrer - die damals noch eine Institution waren - erwaehnt, 1753 entsteht die 4. Luger Kirche, die bis 1957 in der Ortsmitte steht, und 10 Jahre spaeter bauen die Luger das erste Schulhaus. Bis 1785 muessen ausserdem die Toten, sowie die Taeuflinge nach Gossersweiler zur Kirche gebracht werden.

 

Nach der franzoesischen Revolution wird Lug mit dem gesamten linksrheinischen Gebiet wiederum bis 1814 franzoesisch. Anfang des 18.Jh. gelangt das Dorf politisch und spaeter auch kirchlich zum Nachbarort Schwanheim. In dieser Zeit zaehlt der Ort zu den aermsten Gemeinden der Pfalz: Der sandige Boden bringt keine hohen Ertraege und Nebenbeschaeftigungen, wie Sammeln von Fruechten und Beeren, Besenbinderei, Korbflechten, Schnitzen von Kuechengeraeten, Steinhauerei, Messerschleiferei und Schaustellerei sind lebenswichtig fuer die Luger. Aus dieser Zeit stammt auch die Erzaehlung von den Luger Sternsingern, die u.a. August Becker aufschrieb.

1816 wird Lug mit der gesamten Pfalz bayerisch. Die politischen Unruhen der buergerlichen Revolution 1848/49 erfassen auch den Wasgau und Lug, werden aber mit dem Einmarsch der preussischen Truppen rasch beendet, und auch vom deutsch-franzoesischen Krieg 1870/71, der in naechster Naehe tobt, bleibt Lug nur wenig beruehrt. Bis zum ersten Weltkrieg (1914/18) machen Lug und seine Umgebung einige Fortschritte: 1886 wird mit der ersten Hauensteiner Schuhfabrik der Grundstein fuer die bedeutende Schuhindustrie gelegt, 1901 wird Lug mit einem eigenen Buergermeister selbstaendig und 1911 gruendet sich mit dem Turnverein der heute aelteste Luger Verein. Nach den Entbehrungen im und nach dem ersten Weltkrieg, ensteht in den 20er Jahren das Stromnetz im Ort und 1927 beginnt der Bau der heutigen 5. Luger Kirche. Die Zeit des "Dritten Reiches" ist, wie ueberall, gepraegt von der Propaganda und den Zwaengen des nationalsozialistischen Staates, und den Einschraenkungen der Kriegsjahre. Trotz allem blieb es in Lug die meisten Kriegsjahre ueber ruhig, Schutz findet die Bevoelkerung im Stollen am Friedhof. 39 Luger Maenner aber kehren aus dem Krieg nicht zurueck. Nach dem Krieg geht es mit der Schuhindustrie aufwaerts: 1946 wird der Schulunterricht wieder aufgenommen, 1953 der Sportverein gegruendet, im gleichen Jahr beginnt der Bau der Wasserleitung, und 1958 arbeiten in den Hauensteiner Schufabriken ueber 3000 Beschaeftigte. 1961 nimmt die heute noch produzierende Luger Schuhfabrik 'Lugina' ihren Betrieb auf. 1969 kommt Lug von Landkreis Bad Bergzabern zum Kreis Pirmasens, der heute Suedwestpfalz heisst. 1972 schliessen sich Lug und sieben andere Orte zur Verbandsgemeinde Hauenstein zusammen. Im gleichen Jahr gruendet sich die Ortsgruppe des Pfaelzerwaldvereins, zehn Jahre spaeter der Gemischte Chor, und seit 1975 besuchen die Luger Kinder die Grundschule in Hauenstein. 1982 werden Klaeranlage und Kanalisation in Betrieb genommen.

1996 schließlich feierten die Luger mit einem grossen Dorffest den 950. Jahrestag der ersten urkundlichen Erwaehnung ihres Dorfes ...

 

Literaturhinweise:

Quellen: Der Pfaelzerwald - Portrait einer Landschaft, Das Wasgaudorf Lug (Ortschronik von Guenther Steigner, zu beziehen über die Gemeindeverwaltung)

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